CORONAVIRUS: Ist ein Antikörpertest sinnvoll?

Patienten Information COVID-19

Warum wird auf Antikörper getestet?
Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnet damit, dass sich mehr Menschen mit dem neuen Coronavirus angesteckt haben als positiv auf das Virus getestet wurden. Es geht davon aus, dass in Deutschland die Zahl der unbemerkt Infizierten bis zu 10 Mal höher sein könnte als die Zahl der positiv Getesteten. Antikörpertests können in Bevölkerungs-Studien dazu beitragen, die tatsächliche Zahl an Infizierten in einer Region zu berechnen. Zudem können Antikörpertests darüber Aufschluss geben, ob ein Mensch eine Erkrankung bereits durchgemacht hat und ggf. immun ist. Bei dieser Frage zum neuen Coronavirus ist aber noch vieles unsicher, was im Folgenden erläutert wird.

Wie funktioniert der Test?
Dafür gibt es mehrere Wege. Einerseits kann eine Blutprobe in einem Labor analysiert werden. Andererseits gibt es erste Schnelltests, die Praxen teils im Internet anbieten. Derzeit sind beide Arten aber noch mit großer Unsicherheit verbunden (s. Frage 3-5).

Was kann ein Antikörpertest nicht belegen?
Ein Antikörpertest kann nicht feststellen, ob Sie aktuell mit SARS-CoV-2 infiziert sind, da bei Corona frühestens 7-14 Tage nach Erkrankungsbeginn Antikörper gebildet werden. Um festzustellen, ob Sie aktuell erkrankt sind, muss ein Virustest („Rachenabstrich“) erfolgen. Dafür gelten aber bestimmte Voraussetzungen (s. Patienteninfo „Bin ich erkrankt“ auf www.hausarzt.digital/covid19). Derzeit können die Antikörpertests nicht sicher vorhersagen, ob ein Mensch tatsächlich schon eine Corona-Erkankung durchgemacht hat. Zudem kann man derzeit mit Antikörpertests noch nicht sicher sagen, ob und wie lange man immun ist.

Warum ist bei den Tests Vorsicht geboten?
Fällt ein Test negativ aus, ist relativ sicher, dass Sie in der Vergangenheit noch keine Coronainfektion durchgemacht haben. Vorsicht: Wenn Sie sich erst vor Kurzem angesteckt haben, haben Sie wahrscheinlich noch keine Antikörper gebildet und der Test fällt daher negativ aus. Der Antikörpertest schließt eine aktuelle Infektion also nicht aus!

Fällt der Test positiv aus, gibt es zwei Optionen:

  1. Sie haben wirklich eine Coronainfektion überstanden.
  2. Vorsicht: Ein Test kann immer auch „FALSCH positiv“ ausfallen. Das bedeutet, er zeigt Antikörper an, tatsächlich haben Sie aber noch keine Corona-Infektion gehabt! Leider irrt der Test sich manchmal, etwa weil er auf andere Viren reagiert, mit denen Sie sich in der Vergangenheit angesteckt hatten (das nennt man Kreuzreaktion).

Bei Menschen, die zuvor keine „typischen“ Beschwerden einer Corona-Erkrankung hatten, wird der Antikörpertest derzeit in mehr als 5 von 10 Fällen falsch positiv sein. Deutlich seltener ist dies bei Personen, die in den Wochen zuvor eine typische Corona-Erkrankung durchgemacht haben. Dies ist in der Bewertung des Ergebnisses immer zu berücksichtigen. Ob Ihr individuelles Ergebnis richtig oder falsch positiv ist, ist noch nicht zuverlässig zu beantworten!

Warum sind besonders falsch positive Ergebnisse problematisch?
Ein falsch positiver Test birgt die Gefahr, dass Sie sich in falscher Sicherheit wiegen und glauben, Sie könnten nicht mehr erkranken. Dann verzichten Sie vielleicht auf wichtige Schutzmaßnahmen. Dazu zählen etwa 2m Abstand halten, regelmäßig 30 Sekunden Hände waschen oder „richtiges“ Husten/ Niesen in ein Taschentuch oder die Armbeuge.

Wann ist ein Antikörpertest sinnvoll?
Derzeit sollten sie möglichst innerhalb von Studien stattfinden (s. Frage 1). Außerhalb von Studien ist das Ergebnis sehr vorsichtig zu interpretieren: Sprechen Sie dazu unbedingt mit Ihrem Arzt. Er kann einschätzen, ob im Einzelfall – etwa Verdacht einer stattgefundenen Corona-Infektion – ein Antikörpertest sinnvoll ist. Keinesfalls dürfen Sie sich blind auf das Ergebnis verlassen (s. Frage 3 bis 5). Die „Schnell­Tests“ aus dem Internet sind noch unzuverlässiger und meist nicht unabhängig überprüft. Daher ist von deren Verwendung derzeit dringend abzuraten.

Bezahlt die gesetzliche Kasse den Test?
Das hängt vom Einzelfall ab und muss Ihr Arzt entscheiden.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Praxisteam

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